Nach gut drei Monaten Fitbit wird es Zeit für eine erste Zwischenbilanz:

Inzwischen habe ich mich bei einem Schnitt von gut 10.000 Schritten/Tag eingependelt, die Bestmarke habe ich gestern erreicht: 30.000 Schritte / 21 km an einem Tag, davon 19.000 Schritte / 13 km am Stück in drei Stunden. Gewichtsverlust seit Erwerb des Fitbit Ende April: 7 Kilo (allerdings in Kombination mit veränderter Ernährung). Veränderung des Körperfettanteils: – 8,2 %. Erwerb der Erkenntnis, dass schnelles Walken richtig Spaß machen kann, und ich bin nach über drei Monaten immer noch bei der Stange.

Als ich gestern die bisherige Bestmarke in Facebook veröffentlichte, fragte eine sehr aktive Sportlerin kritisch, ob man so ein Gerät wirklich brauche und ob einem das nicht nur das Geld aus der Tasche ziehen würde, früher sei es doch auch ohne gegangen.

Nun sind 99 Euro tatsächlich nicht wenig, aber das relativiert sich, wenn ich mich daran erinnere, dass ich früher das gleiche Geld für drei Monate Fitneßstudio ausgegeben habe, wo ich einen Jahresvertrag abschloss, weil man darauf ja Rabatt bekam. Dreimal habe ich das gemacht, dreimal bin ich nach den ersten Monaten nicht mehr hingegangen. Zweimal kam ich aus dem Vertrag wieder raus, einmal musste ich ihn trotz Attest zähneknirschend bis zum Ende zahlen, obwohl ich wieder mal festgestellt hatte, dass Fitneßstudios für mich nicht funktionieren. Das ausgegebene Geld allein ist also zumindest für mich noch kein ausreichender Anreiz.

Meine persönliche Erkenntnis, warum das Fitbit wirkt: es macht es einem leicht, die Menge der Bewegung zu erfassen, zu überwachen und zu erhöhen, weil man es problemlos den ganzen Tag über tragen kann und keinerlei Aufwand mit Erfassen und Speichern der Daten hat: mindestens einmal täglich in die Docking Station einstecken, fertig. Und, wenn gewünscht, einmal die Start- bzw. Stop-Taste am Gerät drücken, wenn man eine Aktivität für genauere Auswertung separat aufzeichnen will. Wer abnehmen will, sollte außerdem einmal am Tag das Gewicht (ggf. auch den Körperfettanteil) erfassen und eintragen sowie ein Ernährungstagebuch führen (da gibt es Apps wie Loseit, die einem das erleichtern, oder auch die Fitbit-eigene Anwendung als App oder Website), weil dann automatisch aus Verbrauch und Kalorienaufnahme der Saldo errechnet und als Kurve visualisiert wird.

Die Primärzielgruppe sind meiner Einschätzung nach nicht Sportler, die von sich aus schon ausreichend Motivation mitbringen und/oder öffentliche Wettkämpfe als Motivationsfaktor haben, sondern eher Sportmuffel, die sich von Natur aus nicht mehr bewegen als unbedingt nötig und einen spielerischen, niedrigschwelligen Anreiz brauchen, um sich mehr zu bewegen und ein Tool, das ihre Erfolgserlebnisse visualisiert. Und was das angeht, funktioniert das Fitbit wirklich prima, vor allem, weil durch die automatische, fälschungssichere Übertragung der Daten auf die Website das Training nachweisbar wird und damit auch der Anreiz steigt, sich kontinuierlich im Wettstreit mit Freunden, die ebenfalls das Gerät und die Website nutzen, zu verbessern. Sozusagen der Personal Trainer für die Hosentasche. Ich erlebe es immer wieder, dass ich mich abends doch noch aufraffe, ein paar Runden um den Block zu laufen, weil ich auch an einem faulen Tag wenigstens mein Mindestniveau von 5.000 Schritten erreichen will. Das Fitbit funktioniert durch seine Niedrigschwelligkeit: ich muss mich nicht zum Lauftreff verabreden, muss nicht in irgendein Studio fahren, es reicht, sich Schuhe anzuziehen, in denen man gut laufen kann und aus der Haustür zu fallen und dort seine Runden zu drehen. Da bleibt dann kein Raum mehr für Ausreden.

Natürlich kann man sich auch einen Trainings-Parcours ausmessen und dann mit Hilfe der Stoppuhr ermitteln, wieviele Runden man gedreht hat und wie lang man dafür gebraucht hat, aber das baut schon wieder zusätzliche Hürden auf, und in einem hektischen Tag im Beruf fehlt dafür oft die Zeit – da nimmt einem das Fitbit viel Arbeit ab, indem es auch Schritte zählt, die man in der Arbeit zwischendurch zurücklegt, und dann lohnt es sich auch im Büro, mal einen Extra-Weg zu gehen oder die Treppe statt des Aufzugs zu nehmen, weil man abends im Computer (und auch sofort in der Summe im Display des Trackers) die genaue Erfolgskontrolle hat und weil wirklich jeder einzelne Schritt gezählt wird, auch die, die man in der Wohnung oder im Büro zurücklegt, was einen wiederum motiviert, sich auch da mehr zu bewegen. Natürlich reagiert da jeder anders, aber für mich persönlich ist es wesentlich befriedigender, wenn ich ein genaues Ergebnis sehe, als wenn ich nur ungefähr weiß, dass ich mich an dem Tag vielleicht ein bisschen mehr bewegt habe als sonst – ich sehe gern messbare, nachvollziehbare Ergebnisse, deshalb ist mir auch die Quantified-Self-Bewegung (wozu ich gelegentlich mehr schreiben werde) sympathisch.

Und wenn man feststellen sollte, dass das Gerät für einen nicht funktioniert, kann man es immer noch weiterverkaufen, die Nachfrage ist da, ein Posting im Fitbit-Forum reicht.

Disclaimer: Ich habe mir das Gerät selbst gekauft und werde für diese Berichterstattung nicht bezahlt.

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One Response to Fitbit: Zwischenbilanz und Zielgruppe

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