Es ist klein, schwarz mit blau (alternativ schwarz mit violett) und sieht aus wie ein USB-Stick. Im Prinzip ist es ein aufgemotzter Schrittzähler mit Community-Anschluss – wenn man das will. Und eine Art Tamagotchi ist es auch noch, weil es eine Blume im Display hat, die je nach Aktivität wächst oder wieder schrumpft. Darüber hinaus begrüßt es den Nutzer mit motivierenden Botschaften – seine ersten Worte an mich waren: „YOU ROCK! LOVE YA OLIVIA!“

Das Fitbit war bisher nur in USA und UK erhältlich, seit kurzem kann man es aber auch in Deutschland kaufen, ich habe meines bei Amazon bestellt – Bestellung am Freitag aufgegeben, heute aus der Packstation geholt.


Gekauft habe ich es mir, weil eine Freundin, die in den USA lebt, es seit Mitte März mit großer Begeisterung einsetzt und mir dann bei einem Deutschland-Besuch Gelegenheit gab, das Gerät in echt unter die Lupe zu nehmen.

Fitbit

Ich schwankte erst und testete lieber eine kostenlose Schrittzähler-App fürs iPhone, die aber nicht überzeugen konnte: erstmal meldete sie ständig Fehler, wenn sie im Hintergrundmodus laufen sollte (was der Normalfall ist) und beklagte sich über schlechte GPS-Verbindung, und außerdem muss man dann ständig das iPhone mit sich herumschleppen, was ich tatsächlich nicht mache – und ich wollte herausfinden, wieviel Schritte ich auch in der Wohnung täglich zurücklege, die vielen kleinen Gänge summieren sich ja auch, auch die Gänge nach draußen, wo ich jedes Mal mehrere Treppen zurücklege.

Das Fitbit besteht aus dem USB-Stick-ähnlichen Zähler, einem Clip für den Hosenbund, Gürtel oder den BH (für Frauen sehr praktisch, da spürt man ihn gar nicht, sieht ihn allerdings je nach Kleidung – der Tracker, der selbst die Form eines Clips hat, kann an dünnere Stoffe aber auch direkt angeclipst werden), einer Handgelenkmanschette für die Schlafüberwachung und einer kleinen Docking-Station für den USB-Anschluss am PC oder Mac.

Bevor man mit dem Fitbit loslegen kann, muss man auf http://www.fitbit.com/start die Software herunterladen und installieren und die auf dem Bildschirm angegebenen Schritte befolgen. Im Lauf der Installation legt man sich ein Benutzerkonto auf fitbit.com an – ohne dieses Benutzerkonto ist das Gerät nicht vernünftig nutzbar. Das Benutzerkonto kann man sich auch ohne Gerät anlegen, wenn man sich z. B. mal nur umsehen will, außerdem kann man auf der Website auch Gewicht, Aktivitäten und Nahrungsaufnahme von Hand eingeben. Und da das Fitbit nur Gehen, Laufen, Treppensteigen und Schlafen automatisch erfassen kann, muss man auch mit Gerät Aktivitäten wie z. B. Radfahren oder Schwimmen von Hand eingeben. Um das Fitbit nutzen zu können, muss man es außerdem erst einmal in der Docking Station aufladen, bis das Akkusymbol volle Ladung zeigt. Auf der Oberseite des Fitbit ist ein schwarzer Knopf, auf den man kurz drückt, wenn man die einzelnen Informationen abrufen will, und lang (ca. 2 sec), wenn man eine Aktivität startet oder beendet. Nachtrag: Das Fitbit loggt automatisch alle Schritte etc., auch wenn man keine Aktivität startet. Die Aktivitäten sind dem Tageskilometerzähler bzw. Streckenzähler am Auto-Tacho vergleichbar: der große Tacho läuft durch, zusätzlich kann man aber Teilstrecken aufzeichnen, um z. B. die Geschwindigkeit in der Joggingrunde zu ermitteln. Und den Schlaf soll man als einzelne Aktivität aufzeichnen, damit die Schlafphase als solche zugeordnet werden kann.

Einmal aufgeladen soll das Fitbit bis zu 7 Tagen betriebsfähig sein und speichert in dieser Zeit auch die Daten, falls man nicht in der Nähe der Docking Station und ans Internet angeschlossen sein sollte.

Momentan ist die Website nur in englisch verfügbar, man kann aber zumindest die Maßeinheiten auf cm und kg einstellen. Außerdem kann man sich seinen eigenen Essenskatalog anlegen, wenn man auch die Kalorienaufnahme dokumentieren will.

Wer will, kann andere Fitbit-Nutzer als Freunde hinzufügen, dafür muss man die Mailadresse kennen oder die Profilseiten-URL. Unter „Privacy Settings“ kann man eingeben, welche Daten nur für einen selbst, welche für Freunde und welche für die Öffentlichkeit sichtbar sein sollen.

Fitbit Dashboard

Wer will, kann neben Gewicht auch Körpermaße (vom Bizeps bis zur Wade), Blutdruck, Puls und Zuckerwerte eingeben, man kann insoweit anonym bleiben, als man außer einer Mailadresse, einem Spitznamen und dem Geburtsdatum nichts eingeben muss. In der Basisversion kostet die Nutzung der Website nichts (dafür ist das Gerät mit knapp 100 EUR auch teuer genug), zusätzliche Funktionen wie z. B. Export von Daten kann man mit einem kostenpflichtigen Premium-Account nutzen.

Wer nur einen Schrittzähler will und die Auswertung nur auf dem eigenen Rechner, kann das billiger haben, z. B. einen Pedometer von newgen medicals, wobei ich das Gerät nicht getestet habe.

Was mich ein bisschen zögern ließ beim Kauf des Fitbit, war, dass das Gerät nur in Verbindung mit der Website effektiv nutzbar ist – es gibt keine lokale Software, die man ohne Internetanschluss laufen lassen könnte. Da es sich ja um Gesundheitsdaten handelt, die man da auf den Server lädt (wenn die Docking Station angeschlossen ist und das Fitbit sich in der Nähe des Rechners befindet, macht es automatisch alle 15 Minuten einen drahtlosen Abgleich, den man forcieren kann, indem man es in die Docking Station stellt), kann da durchaus ein gewisses Unbehagen aufkommen – das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Die besondere Stärke liegt neben dem Einsatz als Sleep Tracker (den ich sehr faszinierend finde, weil das Gerät einem zeigt, wie oft man nachts aufwacht und wie gut oder schlecht man wirklich schläft) sicher in der Motivation über die Website, wenn man sich mit Freunden vernetzt und/oder Gruppen beitritt – wobei die Gruppen momentan noch nicht durchsuchbar sind, was bei über 2.000 Gruppen unübersichtlich ist.

Ich werde weiter berichten.

Disclaimer: Ich habe mir das Gerät selbst gekauft und werde für diese Berichterstattung nicht bezahlt.

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