Leb wohl, Quelle – und vielen Dank

Oktober 20, 2009 um 7:39 pm | In Pitu | 11 Kommentare | Tags: , ,

Das war’s. Das traditionsreiche Großversandhaus Quelle ist insolvent. Und wie das ZDF berichtet, soll das laut Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nicht zuletzt daran gelegen haben, dass die Kunden Quelle das Vertrauen entzogen und nicht mehr dort bestellt hätten.

Das macht mich traurig. Ich war langjähriger Quelle-Kunde und habe in den letzten Wochen Geld in die Hand genommen, das ich eigentlich gar nicht hatte und extra bei Quelle eingekauft – Sachen, die ich sowieso brauchte, aber vielleicht nicht jetzt gekauft hätte, und vielleicht nicht dort. Ich hatte gehofft, dass andere Kunden genauso denken – aber offenbar war das nicht der Fall. Hätten wir dafür einen Flashmob organisieren müssen?

Es ist nicht irgendein Unternehmen, das da verschwindet, sondern eines, das gerade für die etwas Älteren unter uns fester Bestandteil des Alltags war – nie hätten wir uns vorstellen können, dass es mal nicht mehr so sein würde. Den Quelle-Katalog haben wir schon durchgeblättert, noch bevor wir lesen konnten, und Elektrogeräte der Marke “Privileg” waren in jedem Haushalt zu finden.

Auch ich habe letztes Jahr einen Herd dieser Marke gekauft, Quelle war der einzige Versender, wo ich freistehende Elektroherde in guter Auswahl und mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis fand. Heute kann ich froh sein, dass ich nicht für die erweiterte Garantie bezahlt habe, die ich damals gegen Aufpreis angeboten bekam – sie wäre heute nutzlos.

Es gab ein bisschen Probleme mit dem Gerät, weil eine Platte bei Lieferung kaputt war und der Techniker wegen falscher Ersatzteile mehrmals kommen musste, aber Quelle reagierte prompt und kulant auf meine Anfrage nach Preisminderung. Den Onlineshop, Bestell- und Bestellverfolgungs- sowie Kundendatenverwaltungsprozess empfand ich als extrem benutzerfreundlich und frage mich daher, warum Quelle das Internet verpennt haben soll – was ist hier schiefgelaufen?

Was läuft überhaupt schief in der Wirtschaft, wenn ein Traditionsunternehmen nach dem anderen plattgemacht wird oder stirbt? Es ist ja nicht einfach nur eine Firma – es ist ein Stück Wirtschaftsgeschichte, eine feste Konstante, die plötzlich weg ist. Von den Tausenden Quelle-Beschäftigten, die jetzt ihren Job verlieren und nach Oktober kein Geld mehr kriegen und sich noch vor Weihnachten arbeitslos melden müssen, ganz zu schweigen.

Der Konkurs ist so traurig, weil ich sicher bin, dass er vermeidbar gewesen wäre. Häufig gehen Unternehmen zugrunde, wenn sie nicht mehr in Familienbesitz sind, Teil von Großkonzernen werden, das Management keinen direkten Bezug mehr zur Firma hat. Je größer ein Konzern, desto anonymer, schwerfälliger und austauschbarer wird alles, und darin sehe ich eine große Gefahr für Unternehmen.

Keine schöne Entwicklung – und ich hoffe, das Ende von Quelle ist wenigstens ein mahnendes Beispiel für alle, die sich am Markt noch halten können.

Leb wohl, Quelle – und vielen Dank. Es war mir eine Freude, mit Dir Geschäfte zu machen. Ich werde Dich vermissen.

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11 Kommentare

  1. Stimmt schon, da kann man wirklich ein bisschen nostalgisch werden. Quelle (und auch Karstadt) hätte man für eine Konstante gehalten, die nicht so einfach verschwindet.

    In Vor-Internetzeiten war der Quellekatalog immer auch ein heimisches Schaufenster in die Warenwelt: der erste Anlaufpunkt, wenn man sich irgendwas Neues anschaffen wollte, denn im Quellekatalog konnte man schon mal einen vorläufigen Eindruck gewinnen, welche Geräte es denn so gibt.

    Kommentar by haekelschwein — 20. Oktober 2009 #

  2. oh ja!

    Kommentar by limone — 20. Oktober 2009 #

  3. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Herr haekelschwein, limone erwähnt. limone sagte: gebloggt: "leb wohl, quelle – und vielen dank" http://bit.ly/GNND0 #quelle #nachruf [...]

    Pingback by Tweets die caipi » Leb wohl, Quelle – und vielen Dank - life is fresh, so get used to it! erwähnt -- Topsy.com — 20. Oktober 2009 #

  4. Also ich habe auch gerne bei Quelle eingekauft, es ging schnell und unkompliziert. Ich werde Quelle wirklich vermissen.

    Kommentar by Notarzt24h — 20. Oktober 2009 #

  5. Also ich habe in einer Werbeagentur für Quelle gearbeitet und durfte die, wie in so vielen Traditionsunternehmen, absolut Weltfremde und Beratungsresistente Marketingabteilung kennenlernen.
    Ich würde denen auf gar keinen Fall die Alleinschuld geben! Am Vertrauensverlust sind immer mehrere Bereiche wie z.B. auch der Wareneinkauf und die Serviceabteilungen beteiligt. Aber schon an dieser einen Abteilung konnte man gut ablesen was diese Traditionsunternehmen zu Grunde treibt!
    Mangelnder Innovationsglaube und -wille. Feigheit. Unterschätzung der eigenen Kunden und vor allem kein wirkliches Ziel, welches auch langfristig verfolgt werden könnte, weil es zu viele mehr oder weniger Einflussreiche Entscheider gibt die sich u.a. aus politischen Gründen nicht einigen können und wollen! (Wer gewinnt stärkt ja schliesslich seine eigene Position und wer verliert kann bald durch einen Sympathisanten des Sieger ersetzt werden!)
    Zudem sind da die “Jungen” Mitbewerber die “noch” nicht von solch Altvorderen gebremst werden! Welche dann auch als Eintagsfliegen unterschätzt oder wenns gut läuft gerade mal schlecht kopiert werden! Mehr nicht!
    Daher hat mich diese Entwicklung nicht groß Überrascht.
    Auch wenn ich es persönlich Schade finde, da es mir in meiner Kindheit genauso ergangen ist wie von Dir beschrieben! Ich konnte kaum lesen, aber die bunten Seiten in diesem dicken Katalog haben mich schon immer interessiert! (Auch wenn die Fleischfarbenen Elektrospielzeuge “damals” irgendwie ekelig waren! ;-) )

    p.s. evtl. werde ich diesen Kommentar noch mal ergänzen und in meinem eigenen Blog veröffentlichen. Ist doch länger geraten als ich zu Beginn erdacht habe!

    Kommentar by der * andre — 20. Oktober 2009 #

  6. danke euch für die kommentare!
    .
    andre: so ist es wohl. :-( danke für diesen einblick! wie gesagt, ich hoffe, dass die anderen wenigstens daraus lernen…

    Kommentar by limone — 20. Oktober 2009 #

  7. den gleichen artikel habe ich geringfügig gekürzt auch bei den blogjournalisten eingestellt, wo ein paar interessante diskussionsbeiträge aufkamen:

    http://blogjournalisten.com/wirtschaft/quelle-ein-personlicher-nachruf/

    Kommentar by limone — 21. Oktober 2009 #

  8. Die Quelle Österreich hat noch knapp 2 Wochen Zeit einen Käufer zu finden, sonst ist auch hier das Ende.
    Normalerweise kann so ein Unternehmen nicht Pleite gehen…
    Mit den richtigen Managern geht alles Pleite ;)

    Kommentar by RokkerMur — 26. Oktober 2009 #

  9. leider….
    für teile von quelle deutschland gibt es ja momentan wieder hoffnung… ich hoffe, quelle österreich hat mehr glück.

    Kommentar by limone — 26. Oktober 2009 #

  10. Ich merk grad, dass ich alt werde. Irgendwie hab ich grad Bilder von mir als kleiner Junge vor Augen, der durch den Quelle anstatt den Amazon.de Katalog blättert – achja und Cola gabs auch mal in Glasflaschen…

    Kommentar by Patrick — 27. Oktober 2009 #

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