Sterben fürs Wahlrecht: “Das Privileg der Stimme”

26. September 2009 um 16:14 | In Pitu | Keine Kommentare | Tags: , ,

Unter dem Titel “Das Privileg der Stimme” steht auf Seite 3 des Münchner Merkur (leider nicht online) ein ausführlicher Artikel über die Geschichte des Wahlrechts, das unter Einsatz von Leib und Leben erkämpft wurde. 1904 verzichteten beispielsweise Tuberkulosekranke, die sich eine ärztliche Behandlung nicht leisten konnten, darauf, die Armenkasse in Anspruch zu nehmen, um sich behandeln zu lassen, weil Empfänger von Armenhilfe nicht wählen durften. (Soviel übrigens zum kürzlich mal wieder aufgetauchten kruden Vorschlag des RCDS-Vorsitzenden Ludewig, ein Wahlrecht nur für Leistungsträger einzuführen!)

Diese Menschen nahmen in Kauf, an der unbehandelten Krankheit zu sterben, weil sie wählen wollten!!

Und die Suffragette Emily Davison warf sich 1913 auf einer Rennbahn vor das Pferd von Georg V., um für das Wahlrecht zu demonstrieren – was sie nicht überlebte. Erst 15 Jahre später durften in England alle volljährigen Frauen wählen.

Nein, das Wahlrecht ist nicht selbstverständlich, viele Menschen sind dafür gestorben. Gestorben! Das kann man sich heute kaum noch vorstellen.

Insofern sehe ich in unserem Wahlrecht wirklich eine Pflicht, und zwar eine moralische. Es gibt genug Auswahl, wenn man mal näher hinschaut – kein Mensch hat gesagt, dass man nur die großen Parteien wählen darf, es gibt sogar jede Menge parteilose Direktkandidaten. Jeder Anfang ist klein.

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