Full Feeds und die Pferdefüße

September 1, 2009 um 3:27 pm | In Technik | 7 Kommentare | Tags: , , ,

Das Thema Full Feed vs gekürzter Feed wird in der Blogosphäre sehr emotional diskutiert, in den Zug möchte ich gar nicht einsteigen. Im Blog Praxiswissen WordPress habe ich jetzt einen Full Feed laufen, einfach weil es sich mit den Inhalten verträgt. Hier im Caipi-Blog ganz bewusst nicht, und der primäre Grund ist nicht mal Contentklau (auch wenn der durch die Abwertung von duplicate content in Suchmaschinen direkte negative Auswirkung aufs Google-Ranking haben kann), sondern ein anderer:

Auch ich abonniere Feeds anderer Blogs, und in einem dieser Blogs erschienen für eine Weile sehr persönliche Inhalte. Offenbar zu persönlich selbst für den Autor, denn eines Tages waren alle alten Beiträge offline und stattdessen standen erst unpersönliche Einträge auf der Seite, dann nur noch ein “Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen”.

So weit, so gut. Nur waren die gelöschten Einträge in meinem Feedreader immer noch da. OK, immerhin nicht als Full Feed, aber die Feeds waren so eingestellt, dass immer noch recht viel Text zu lesen war. Noch unangenehmer für den Autor wäre gewesen, wenn die Feeds als Full Feed zur Verfügung gestanden hätten.

Soweit ich mich erinnere, werden Änderungen in Blogbeiträgen im Feedreader nachgeführt, wenn auch mit Verzögerung (mir passiert es oft, dass ich nach dem Bloggen noch Änderungen nachtrage). Da kann es passieren, dass die Version im webbasierten Feedreader bereits veraltet oder sogar fehlerhaft ist. Das ist aber noch weniger kritisch als Beiträge, die ich eigentlich schon gelöscht habe, die im Feedreader aber immer noch herumgeistern.

Das erinnert an Twitter, wo gelöschte Beiträge auch nie wirklich verschwinden, sondern über die Suche auffindbar bleiben.

Man kann über dieses Thema endlos streiten, aber für mich bedeuten Full Feeds einen Verlust an Kontrolle über den Inhalt und beeinträchtigen die Spontaneität. Wenn ich weiß, dass ich das Geschriebene nicht mehr ändern kann, weil der Leser es eben nicht direkt in meinem Blog liest, wo ich ständig aktualisieren kann, werde ich länger zögern mit dem Veröffentlichen, länger feilen oder im Zweifelsfall gar nicht veröffentlichen, weil ich nicht weiß, welche Kreise der Content zieht.

Natürlich kann man Content auch manuell speichern, aber mal ehrlich: welcher normale Leser macht das? Aber jedesmal, wenn ich in meinem Feedreader die schon längst gelöschten, sehr privaten Beiträge in jenem eingangs erwähnten Blog sehe, weiß ich, warum zumindest das Caipi-Blog auch weiterhin nur einen gekürzten Feed anbieten wird. Mit der Kehrseite, dass ich damit einige Leser vergraule, kann ich leben. Um die Klickzahlen geht es dabei nicht – hier wird keine Werbung geschaltet, die Besucherzahlen halten sich in Grenzen, aber mir ist es lieber, wenn die Besucher ins virtuelle Wohnzimmer kommen, als wenn sie mit dem Fernglas aus der Entfernung einen Blick hineinwerfen. Umgekehrt halte ich es genauso:

Persönlich nutze ich Feeds nur, um den Überblick zu behalten, welche Blogs aktualisiert wurden, sie ersparen mir das regelmäßige Ansurfen, nur um festzustellen, dass es keine neuen Beiträge gibt. Interessante Themen merke ich mir für spätere Lektüre vor und klicke fast immer auf den Beitrag, auch wenn es einen Full Feed gibt, schon weil ich den Beitrag im Bloglayout lesen will und sicher sein will, dass ich die neueste Version mitkriege. Mir ist es herzlich egal, ob jemand einen Full Feed anbietetet oder nicht, aber dieser bisher gar nicht diskutierte Aspekt der gewollten Flüchtigkeit eines Blogpostings ist mir wichtig genug, um ihn zum Thema eines Blogeintrags zu machen.

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7 Kommentare »

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  1. Die Gründe für einen gekürzten Feed kann man gut verstehen. Ich persönlich habe damit auch kein Problem. Oftmals erkennt man ja am Titel bzw. an den ersten Zeilen, ob einen das Thema interessiert oder nicht. Speziell bei Blogs die sich um Webentwicklung und/oder Gadgets drehen, gibt es ja durchaus Beiträge die einen weniger interessieren.

    Kommentar by Christoph — 1. September 2009 #

  2. Ich bleibe beim Full-Feed. Schon aus Gewohnheit. Aber du beschreibst das Beispiel, das unter die Haut geht. Das habe ich auch schon erlebt – und gemein wie ich bin, habe ich diesen Feed mit ungelesen markiert und jetzt stehen da für alle Zeit, die Sätze, die dort nicht stehen sollten.

    Ich hoffe, dass meine Selbsteinschätzung stimmt und ich doch eher zu den besonnenen Menschen gehöre. Allerdings gibt es manchmal Situationen in denen eins zu anderen kommt und dann ist plötzlich das unmöglich, was die ganze Zeit vorher möglich war.

    Kommentar by Sammelmappe — 1. September 2009 #

  3. Unterm Strich geht es dir beim gekürzten Feed also doch um Content-”Klau”. Geklaut bedeutet ja schließlich, dass jemand sich etwas nimmt und es anders verwendet, als der Hersteller/Lieferant es sich gedacht hat.
    An dieser Stelle fächern sich die Argumentationen in alle Richtungen auf und man könnte Wochenlang darüber diskutieren. Die Hardliner würden wohl sagen “Dann schreib halt nur das ins Internet, was du auch in 10 Jahren noch vertreten kannst”.
    Ich persönlich denke das es eine Erfahrung ist die man im Laufe der Zeit fast zwangsweise macht. Irgendwann kommt meistens der Punkt wo man erst zwei- dreimal nachdenkt bevor man auf den Veröffentlichen-Knopf drückt.

    Allerdings sehe ich das Problem gar nicht so sehr bei den Feedreadern. Viel schlimmer sind Dienste wie Google-Cache oder archive.org. Wer denkt schon daran das dort die komplette Webseite gespiegelt wird. Gekürzter Feed hin oder her. Obendrein gibt es reichlich News-Aggregatoren die auch recht häufig den Feed nur dazu nutzen die Webseite ansich nach Inhalten abzugrasen. Da gibt es wohl mehr technische Falltüren als man sich vorstellen kann.
    Deswegen denke ich, dass man ein wenig besonnener bloggen sollte und entweder aus seinen eigenen oder den Fehlern der anderen lernt.

    Das Nachbearbeiten der Beiträge ist für mich kein Grund den Feed zu kürzen, auch wenn ich ebenfalls nach dem Veröffentlichen noch den einen oder anderen Fehler korrigiere oder etwas hinzufüge bzw. entferne.
    In manchen Blogs scheint es zur Leserbindung zu gehören das die Feedleser Fehler finden und diese melden (wollen). Manchmal kann man fast den Eindruck gewinnen das absichtlich Fehler versteckt werden damit die Feedleser auf das Blog kommen und kommentieren.
    Aber eben jene Fehler haben den strike-Tag wieder zurück auf die Webseiten gebracht und Update-Absätze sind so normal geworden wie ein “Hallo”.

    Ich hatte mir auch schon mal Gedanken über ein Plugin gemacht welches den Beitrag erst einmal in eine kleine Warteschleife schickt bevor er richtig veröffentlicht wird. Im Grunde genommen reicht es ja aus die Pings an die verschiedenen Blog-Dienste etwas später abzusetzen (ich glaube Frank Bueltge hatte dazu mal was gebastelt).
    Aber unterm Strich hatte ich mir dann gesagt “Was solls?”. Steht halt im Feedreader etwas anderes als in meinem Blog. Doch nur das was in meinem Blog steht, zählt am Ende.

    Kommentar by Ralf — 1. September 2009 #

  4. erstmal danke für eure kommentare!
    ralf, das wort content-klau geht mir zu sehr in richtung copyright-problematik, die meine ich hier eigentlich weniger. es geht ja eher um “content-rückruf”.
    google cache und archive.org kann man aussperren, wenn man will (übrigens mache ich für caipi auch das).
    die lebensdauer von inhalten im internet ist generell eine pandorabox, das weiß jeder, der anfang/mitte der 90er arglos ins fido gepostet hat und heute diese inhalte auf alle zeit durchsuchbar und unlöschbar in google findet. ;-) aber man muss sich das leben ja nicht noch schwerer als nötig machen.

    Kommentar by limone — 2. September 2009 #

  5. noch ein argument gegen full feeds: abmahngefahr.
    siehe: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31051/1.html

    szenario: blogger stellt artikel online, wird für inhalte in diesem artikel abgemahnt. blogger nimmt artikel bzw. die beanstandeten inhalte offline. die inhalte sind auf fremden websites dank news-aggregatoren aber immer noch nachzulesen. im in heise zitierten fall erhielt der blogger auch dafür eine abmahnung.

    Kommentar by limone — 3. September 2009 #

  6. Wie der Fall Yako zeigt, ist es unerheblich ob du wegen eines Full-Feed oder eines Mirror eines Newsaggregators abgemahnt wirst.

    Der Feed ist ja am Ende nichts weiteres als die Inhalte in einer anderen Form. Webseite -> HTML; Feed -> XML.
    Da man also nicht ausschließen kann das auf die HTML-Variante zurück gegriffen wird wenn die vollständige XML-Variante nicht zur Verfügung steht, wäre dies für mich kein Grund den Feed zu kürzen.

    Gekürzte Feeds finde ich immer dann richtig eingesetzt, wenn es um die Übersichtlichkeit geht. Also z.B. bei Online-Zeitungen wo sehr viele Artikel veröffentlicht werden.
    Den Feed quasi als Schutz zu kürzen, finde ich nicht so sinnig. Wie gesagt, es gibt genügend Dienste und Bots die sich die Inhalte auch/oder von der Webseite holen und den Feed links liegen lassen. Demnach müsste man dann die Inhalte auf der Webseite ebenfalls kürzen. Den vollständigen Inhalt gäbe es dann erst nach Eingabe eines Passwortes/Captchas.

    Mir persönlich ist es eigentlich egal ob und warum jemand seine Feeds kürzt. Schafft es jemand mit den ersten drei Sätzen bzw. mit dem Thema genug Interesse bei mir zu wecken, dann klicke ich ohnehin.

    BTW: Warum habe ich eigentlich nicht Fysik studiert?

    Kommentar by Ralf — 5. September 2009 #

  7. Hallo Ralf,
    die Newsaggregatoren werden aber üblicherweise aus RSS-Feeds gespeist, oder machen die sich tatsächlich die Mühe, HTML aus Blogs zu extrahieren?
    (P.S.: Sorry, das “ph” ist aus Gewohnheit reingerutscht. ;-) )

    Kommentar by limone — 5. September 2009 #

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