Wandern lehrt Durchhalten
August 1, 2009 um 3:07 pm | In Pitu | 3 Kommentare | Tags: Lebenshilfe, WandernVom Wandern kann man weitaus mehr lernen, als dass es eine beliebte Beschäftigung für Seniorengruppen mit klappernden Nordic-Walking-Stöcken ist.
Eine Bergtour in Südtirol hat mir vor Jahren die Augen geöffnet, daran denke ich heute immer, wenn es schwierig wird.
Ein Freund und ich hatten eine recht überschaubare Tour geplant, mit der ich auch gut zurechtkam, das Wetter war schön, es lief sich angenehm, und ich wusste, dass ich diese Tour durchhalten würde. Aber dann verpassten wir die richtige Abzweigung und gingen den falschen Weg – statt bergab ins Tal ging es immer weiter hinauf, und meine Füße taten immer mehr weh, die Kondition ließ immer mehr nach und ich wusste, diese Tour ist zuviel für mich, mit dem ungeplanten Umweg.
Irgendwann war ich soweit, dass ich mich am liebsten hätte fallen lassen und auf einen Hubschrauber warten, der mich abholt und wegbringt. Aber ich wusste, es würde kein Hubschrauber kommen, und mein Begleiter würde mich nicht tragen. Ich konnte auch nicht einfach da auf dem Weg liegenbleiben, denn ich wollte ja heim, in mein Bett, mich ausruhen. Und ich wusste, der einzige Mensch, der mich da hinbringen kann, bin ich selbst, ich muss die Zähne zusammenbeißen, die Schmerzen unterdrücken, einen Fuß vor den anderen setzen, bis ich auch auf dem Umweg endlich im Tal ankomme.
Also stand ich wieder auf und ging, Schritt für Schritt. Endlich kamen wir auch wieder auf den Weg ins Tal, in einem Bach wusch und kühlte ich meine Füße (und scheuerte mir danach Blasen in den Bergstiefeln, aber egal), und zuguterletzt kam ich wirklich zuhause an und konnte in mein Bett steigen.
Natürlich passierte kein Wunder, an den folgenden Tagen konnte ich nur noch zunehmend kürzere Strecken laufen, weil ich so viele Blasen an den Füßen hatte, aber ich war aus eigener Kraft am Ziel angekommen, der Wille stärker als der Körper, einfach weil ich die Notwendigkeit erkannt hatte, den Weg zu gehen, weil nur ich selbst in dieser Situation mir helfen konnte.
Seitdem muss ich immer an diesen Tag in Südtirol denken, wenn ich in eine schwierige Situation oder Lebensphase komme, denn ich weiß: ich kann nicht liegenbleiben, es wird mich keiner abholen oder wegtransportieren, ich muss den Weg schon selbst gehen, und ich kann ihn auch selbst gehen, und ein paar Tage später sind die Schmerzen vergessen.
Die Beine schmerzen, der Atem wird knapp, das Ziel ist unklar, du möchtest nur noch raus, hoffst, dass der Hubschrauber kommt. Aber nur du selbst kannst dich da rausbringen, Schritt für Schritt, immer einen Fuß nach dem anderen.
Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, geht doch immer ein einziger kleiner Schritt. Und nach diesem wieder einer. Und wieder einer. Und viele kleine Schritte ergeben am Schluss einen langen Weg.
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3 Kommentare
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Wer jammern kann, kann auch noch laufen… Aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen.
Kommentar by tanja — 1. August 2009 #
haha, der spruch ist gut. *g*
Kommentar by limone — 1. August 2009 #
Lust auf Volksfest Dachau – Blogger aus der Münchner Region?…
Von gestern bis inklusive 17. August findet ja das in unseren Breitengraden bekannte Volksfest Dachau statt. Dachau ist ja leider vor allem durch seine Geschichte bekannt, die mir persönlich schon fast zum Hals raus hängt, denn wir haben hier ja auch…
Trackback by Crazy Girls Tipps — 9. August 2009 #