Stoppschild für StudiVZ, Facebook & Co.?
20. Mai 2009 um 23:43 | In Pitu, Technik | 2 Kommentare | Tags: PolitikEben lief im NDR eine sehr gute Folge der Sendung “Zapp” zum Thema Heftige Proteste gegen Sperrungen im Internet. Leider habe ich den Anfang nicht mitbekommen, aber auf der Archivseite sind sicher bald Informationen zu finden, und außerdem wird die Sendung am Do und Fr wiederholt. (Nachtrag: Sendung ist jetzt online!)
Was leider viel zu selten erwähnt wird, hier aber gut thematisiert wurde: nicht nur tatsächliche KiPo-Server könnten auf den Sperrlisten landen, sondern ganz harmlose Angebote wie StudiVZ, Facebook, Flickr, ipernity, YouTube, Twitter, Websites von Zeitungen, Foren – im Grunde jedes Webangebot, in dem Nutzer Medieninhalte und/oder Links publizieren können. Auch Webmaildienste müssten im Grunde auf diesem Index landen, weil sie alle potentielle Trägermedien sind – eine “infizierte” Mail würde schon genügen.
In letzter Konsequenz würde das das gleiche bedeuten, was jetzt schon bei vielen Blogs Usus ist: Publikation nur noch nach Moderation, was de facto der Tod von Web 2.0 und die Abtreibung von Web 3.0, so wie wir es uns momentan noch vorstellen, wäre.
Und selbst Moderation von Links würde nicht genügen – wer garantiert dem freischaltenden Redakteur, dass ein heute noch harmloser Link morgen nicht zu illegalen Inhalten führt?
Wenn es nicht reicht, dass der Verursacher (in dem Fall der Betreiber der illegalen Website, zu der verlinkt wird, der ganz genau weiß, was er tut) zur Verantwortung gezogen wird, sondern jede Menge Ahnungslose als Kollateralschäden mit ins Fangnetz geraten, können wir das Web, so wie es eigentlich gedacht war, vergessen. Dann wird es zur pseudo-interaktiven schwarzen Glotze, in der sich Interaktivität darauf beschränkt, per Mausklick abstimmen zu dürfen, wen wir als “next Topmodel” oder “Superstar” haben wollen.
Übertreibe ich? Hoffentlich ja.
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2 Kommentare
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Das Problem ist tatsächlich, dass sich die Internetausdrucker in den Parlamenten und Gerichten das Internet als einen Nachfolger des Videotextes vorstellen. Selbst diejenigen, die den Computer selbst bedienen können, bewegen sich nur von Welt-Online über Spiegel-Online nach CDU.de und GMX.de. Sie atmen und leben aber nicht das Netz und nehmen nicht kreativ daran teil, sondern sehen es nur als neuen Verbreitungsweg für alte Inhalte und wollen möglichst keine Privatleute darin herumpfuschen sehen.
Comment by haekelschwein — 21. Mai 2009 #
videotext – oder btx, woran ich ständig denken muss. aber btx war glaub ich noch interaktiv. das problem ist hier wirklich, dass gesetze von leuten auf den weg gebracht werden, die das internet nicht verstehen. wie schwierig das thema ist, merke ich auch bei gespräche im bekanntenkreis, wenn ich mich ein wenig aus dem kreis der intensiven internetnutzer herausbewege. da wird das geplante stoppschild reflexartig auch erstmal für gut befunden, weil man sich die auswirkungen mangels sachkenntnis gar nich vorstellen kann.
Comment by limone — 21. Mai 2009 #