Damals

Januar 11, 2003 um 8:02 pm | In Pitu | Kommentare deaktiviert |

Mitte der Fünfziger. Der Samstag ein voller Arbeitstag. Ein Auto – alles andere als selbstverständlich. Auch das eigene Telefon – Luxus. Wer eines hatte, fasste sich kurz, um Gebühren zu sparen. Zentralheizung? Keine Rede. Vielleicht ist die “Rezession”, die wir jetzt erleben, einfach nur eine Rückkehr zur Normalität?

Und wenn ich an die Nachtfahrt gestern denke, verzichte ich gern auf einiges andere, um mir solche Momente auch weiterhin leisten zu können.

Feenpaläste

Januar 11, 2003 um 3:55 am | In Pitu | Kommentare deaktiviert |

Filigran ragen sie in den klaren Nachthimmel, durchsetzt mit unzähligen Lichtern, umhüllt von einem Mantel aus hellem Dampf. Feenpaläste.

Am Tag: eine Dea-Raffinerie in Raunheim und Chemieanlagen von Bayer in Leverkusen und Köln-Nord.

Ignis praecox

Januar 1, 2003 um 5:49 pm | In Limette | Kommentare deaktiviert |

Dass die Hessen und insbesondere die Frankfurter ein temperamentvolles und vor allem ungeduldiges Völkchen sind, bewiesen sie gestern aufs eindrucksvollste. Alles sammelte sich am Main, die Brücken dicht bevölkert mit ganzen Pulks von Leuten, knapp an der Belastbarkeitsgrenze. Der Rest drängte sich an den Ufern und ließ nur Schneisen frei dort, wo die Feuerwerkskörper sich austoben durften, wenn sie nicht gerade als verirrte Querschläger schnurstracks auf Hüfthöhe zur gegenüberliegenden Hauswand zischten – meine Hose ziert seitdem eine dezente Sengspur.

Dass der eine oder andere es nicht erwarten kann und daher schon vor Mitternacht einige Böller losgehen, ist nichts Ungewöhnliches – aber was gestern geschah, war sowohl mir zugereistem Oberbayern als auch dem Besuch aus Würzburg neu: in Frankfurt beginnt Mitternacht offenbar um 23:30 und endet 00:30, so lange tobte nämlich in unverminderter Stärke das Feuerwerk. Die Mitternacht war folgerichtig nur an einem zusätzlichen Aufblähen des Getöses und untermalendem Glockengeläut aus verschiedenen Kirchen erkennbar. Dann ein Donnergrollen und Knattern, ich vermutete einen Salut, aber tatsächlich war es das Geräusch, das entsteht, wenn Autos (vorzugsweise Taxikarawanen) über explodierende Böller fahren. Aufgelockert wurde das Straßenbild durch Rudel von Polizeiwagen und Sankern mit dekorativem Blaulicht.

Zwischenzeitlich entstand im Kreis von Rauchbomben und Scherben aller Art heimelige Kosovo-Atmosphäre, unterbrochen von leisen, dafür um so schöner anzusehenden Leuchtraketen. Telefonieren? Unmöglich. Nicht nur wegen der permanent überlasteten Leitungen (das wird von Jahr zu Jahr schlimmer), sondern auch, weil man, selbst wenn man durchgekommen wäre, nicht mal hätte hören können, ob sich am anderen Ende jemand meldet.

Gegen 00:30 begannen die Feuerwerker dann langsam zu schwächeln, aber auf den Brücken standen immer noch Händler mit Kartons voller Böller und warteten auf Last-Minute-Käufer. Wer hat da behauptet, 70 % der Deutschen würden heuer auf Feuerwerk verzichten? Der hat nicht die Frankfurter gefragt!

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