Kaffeepause
September 6, 2002 um 9:16 pm | In Zucker | Kommentare deaktiviert |Der Kiosk in der Holzhofallee in Darmstadt ist seit neuestem “Lavazza-Espresso-Point.” Das bedeutet: ein hübsches, silbern und gold glänzendes Espressomaschinchen, das mit Kaffeepatronen geladen wird. Der Inhaber des Kiosks, ein nur auf den ersten Blick martialisch wirkender Mann mit der Statur eines Möbelpackers, bereitet den gewünschten Cappuccino sorgsam und bedächtig zu, erst schäumt er die Milch auf, dann kommt der Kaffee, und am Schluss wird das Ganze liebevoll mit Kakao bestäubt. Und seit neuestem gibt es dann noch ein “Giotto” dazu. Das Ganze für 90 Cent – und der Cappuccino ist hervorragend, da stört es auch nicht, dass er “Capucino” geschrieben wird. Was länger braucht, wie die Currywurst, wird an den Tisch gebracht.
Unterhaltung wird auch genug geboten, denn das gerade bei schönem Wetter zahlreich vorhandene Publikum (überwiegend Leute mit Tagesfreizeit, wie es scheint) hat überraschend interessante Themen wie etwa das Robbensterben, die Verbindung von Nord- und Ostsee oder die Schauspielkarriere von Klaus Kinski, die ja durch die Edgar-Wallace-Filme doch stark beeinträchtigt worden sei, aber er hätte halt damals nichts angeboten bekommen, und es sei unglaublich, wie ihm sein Sohn ähnlich sehe. Wie sie darauf gekommen waren? Irgendein Promi sollte im hohen Alter noch Vater werden, da fiel einem der Stammgäste Charlie Chaplin ein, der ja mit 80 noch ein Kind gezeugt habe, und das sei ihm wie aus dem Gesicht geschnitten, und dann kam ein anderer und meinte, ja das sei bei Kinskis Sohn auch so, und der habe ja jetzt auch so schräge Rollen.
Merke: never judge a book by its cover. Und langsam kann ich verstehen, warum ein Freund von mir meinte, wenn er mal in Ruhestand gehe, wolle er einen Kiosk aufmachen.
(Nachtrag: Den Kiosk gibt es inzwischen leider nicht mehr.)
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