Zwergmangusten

August 30, 2002 um 11:06 pm | In Zucker | Kommentare deaktiviert |

Als ich 1995 anläßlich eines Seminars das erste Mal in Frankfurt war, nutzte ich meine Freizeit, um in den Frankfurter Zoo zu gehen. Auf dem Lageplan fielen mir die Zwergmangusten besonders auf (ich glaube, ich hatte schon einmal einen Beitrag über sie gesehen), und es kostete mich einige Mühe, sie aufzuspüren. Ich verirrte mich ein paarmal, bis ich sie endlich fand: wenig beachtet, weil etwas abgelegen an der Mauer zur Straße hin. Man hatte ihnen eine Wärmelampe installiert, es war etwas kühl, und so fand sich immer ein Grüppchen unter der Lampe auf dem Stein. Diese kleinen Pelzwesen sahen mich aufmerksam an und hatten etwas gleichsam Melancholisches und Rührendes. Ich saß eine halbe Stunde still da und betrachtete sie in ihrem friedlichen Alltag. Sie haben einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Rundumadum

August 30, 2002 um 8:56 pm | In Zucker | Kommentare deaktiviert |

Darmstadt, auf dem WalMart Parkplatz, vor der hessischen Würstchenbude und der türkischen Hendlbraterei: ein Eisbär dreht sich zu Evergreenmusik im Kreis, umringt von einer Pinguin-Combo. Er bildet das Herzstück eines wunderschön altmodischen Karussells mit Motorrädern und Autos aus den 30er und 50er Jahren, einem Feuerwehrauto und einer Rakete, die wie ein aufgeschnittener Zeppelin aussieht. Die Krone ist mit Märchenmotiven geschmückt, und auf dem Kassenhäuschen versammelt sich die Disneysche Zeichentrickwelt: Mowgli und Balu neben dem König der Löwen, während Bernhard und Bianca durch die Luft fliegen.

Leider steht das Karussell die meiste Zeit still, der Fahrpreis von 1 Euro schreckt wohl doch ab. Aber dann singt ein Saxophon aus den Lautsprechern “You are the sunshine of my life”, und ein kleines süßes Mädchen mit blonden Engellocken darf eine Runde drehen – es sucht sich die Rakete aus.

Neben mir am Bistrotisch der Würstchenbude widmen sich zwei männliche Bürobewohner schweigend ihrer Currywurst mit Pommes, bis der eine plötzlich sagt: “Das ist doch bestimmt Max Greger, der da spielt!” Der andere kontert mit “Aber der ist doch tot?” Unterhaltung beendet.

Kammerspiel

August 13, 2002 um 9:48 pm | In Officeblog, Pitu | Kommentare deaktiviert |

“Life is a stage and all of us are mere players upon it.”

Shakespeare war sicher nicht der erste, der diese bahnbrechende Erkenntnis hatte, aber der am häufigsten (und sehr variationsreich) zitierte. Gestern wurde mir ganz deutlich bewußt, wie viel an diesem Spruch dran ist. Das Telefon klingelte, ich hob ab, sagte mein Sprüchlein auf, sprach mit dem Kunden und merkte plötzlich, dass ich nicht über das nachdachte, was ich sagte, sondern die Worte kamen von selbst, so wie die Finger auf dem Klavier eine komplizierte Melodie wie von selbst spielen, wenn man sie nur lange genug geübt hat. Und an manchen Tagen habe ich das Gefühl, meinen Text besonders gut zu können, wenn mir auf jeden Spruch eine gute Erwiderung einfällt, wenn ich Leute zum Lachen bringen kann oder auch einfach nur keine Fehler machen oder einen toughen Eindruck erwecken, selbst wenn mir überhaupt nicht danach ist. Vermutlich ist das ganz normal, und es fällt mir nur so auf, weil ich die letzten zwei Jahre vergleichsweise wenig Reflektionsfläche hatte, als Home-Worker lebt man ja eher in einem Monolog.

Der durchschnittliche Büromensch lebt in einem Kammerspiel, einfache Ausstattung, schlichte Kulissen, immer die gleichen Räume und Wege, jeder Tag ein “Groundhog Day”. In meiner alten Firma hatte ich mal scherzhaft die These aufgebracht, dass wir eigentlich alle Insassen einer Irrenanstalt seien, um uns herum sei das ganze Gelände eingezäunt, und wir würden es bloß nicht merken, weil wir jeden Abend beim Verlassen des Gebäudes eingeschläfert und unter Drogen gesetzt würden, die uns ein Privatleben vorgaukelten. Die Kollegen fanden diese These sehr erheiternd.

Natürlich ist das nicht so, aber mal ernsthaft – würden wir wirklich merken, wenn es so wäre?

Powered by WordPress with Pool theme design by Borja Fernandez, modified by limone.
Entries and comments feeds. Valid XHTML and CSS. ^Top^