Die fliegenden Städte
Mai 31, 2002 um 4:09 am | In Pitu, Publikationen | Kommentare deaktiviert |Die obere Hälfte des mächtigen Brückenpfeilers verschwand im Nebel. Die Umgebung, grau in grau, hätte Unbehagen in mir wecken müssen, aber genau das Gegenteil war der Fall. Aus Gründen, die ich mir nicht erklären konnte, fühlte ich mich hier geborgen. Die Luft war feucht und warm.
Die Terrasse, auf der ich stand, lag direkt vor meiner Unterkunft. Die Stadt war mir fremd. Das Leben in Städten war mir überhaupt fremd geworden in den Jahren meines unsteten Umherziehens. So fremd wie die Menschen.
Es war still, sehr still. Zu still für eine Stadt dieser Größe. Vielleicht war es auch nur der Nebel, der jedes Geräusch verschluckte. Mir war die Stille angenehm. Sie ermöglichte mir endlich, nachzudenken. Sie verhalf mir zu der Konzentration, die ich brauchte, um in mich hineinhorchen zu können, um endlich die Erinnerung an einen vertrauten Klang, einen Namen wiederzufinden.
Ich sah wieder nach oben, den massiven Brückenpfeiler entlang. Er tauchte in den Nebel ein wie in Wasser. Stand ich am Meeresgrund und blickte nach oben, wo das Sonnenlicht durch die gekräuselte, silbrig schimmernde Wasseroberfläche drang?
Hinter mir brummte und quietschte etwas. Es war Max, mein robotischer Freund. Er sah aus wie ein kleiner Bär, mit seinem dichten braunen Pelz. Äußerlich hätte ihn keiner von einem lebenden Tier unterscheiden können, wenn das Quietschen seiner künstlichen Gelenke ihn nicht verraten hätte. Max hatte mich drei Monatslöhne gekostet, und die längst fällige Generalüberholung konnte ich mir im Moment nicht leisten. Wenn es nicht zu vermeiden war, würde ich ihn vorübergehend abschalten müssen, bevor die Verschleißerscheinungen schlimmer würden.
Aber ich brachte es nicht fertig. Max war das einzige Wesen, mit dem ich mich verstand. Ich brauchte ihn. Er konnte nicht sprechen, aber er war treu und anhänglich wie ein Hund. Ich fühlte mich wohl in seiner Gesellschaft. Mit ihm hatte ich nicht das Gefühl, allein zu sein.
(entstanden ca. 1988)
Episode II
Mai 21, 2002 um 10:32 pm | In Limette | 1 Kommentare |Den neuen “Star Wars”-Film ich heute gesehen habe. Schön die Bilder und spannend die Action-Szenen ich fand. Unglaubwürdig manche aber waren. An “Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin” mich die Liebesszenen erinnerten. Verstehen ich nicht konnte, warum Anakin Besseres nicht als eine robotische Prothese erhielt am Ende. Wie in “Das fünfte Element” die Flugauto-Verfolgungsjagd am Anfang des Filmes war, die Farbe gelb selbst übereingestimmt hat. In die Berghöhlen aus Moria aus dem “Herrn der Ringe” ich mich auch versetzt fühlte. An eine Kreuzung aus Kuh, Nilpferd und Zucchini die Tiere auf dem Felde erinnerten, und niedlich die Hühner auf Tatoiine ich fand. Häufig ich fragen musste meine Freundin, was passiert gerade war, weil nicht ganz die Zusammenhänge ich verstand, obwohl dreimal ich gesehen habe jeden der alten Teile. Beide wir einig uns waren, dass den Inhalt der alten Filme spannender wir fanden. Sicher wir uns sind, dass Computerspiele und Actionfiguren viele zu kaufen sein werden bald. Nicht voll das Kino war bei später Nachmittagsvorstellung. Yoda-Modus ich nun abschalten werde.
Mensch vs Trinkjoghurt
Mai 19, 2002 um 3:23 pm | In Zucker | Kommentare deaktiviert |Unter Einfluss sengender Hitze hat der Mensch sich einen erfrischenden Zitronen-Trinkjoghurt gekauft. Dann kam ein Gewitter, es kühlte ab, und der Trinkjoghurt war nicht mehr so interessant.
Mittags, halb drei in Deutschland:
Mensch: “Ich hab jetzt keine Lust auf Joghurt.”
Joghurt: “Grummel. Ich will getrunken werden.”
Mensch: “Mal sehen, was der Kühlschrank sonst so bietet.”
Joghurt: “Der zeig ich’s!”
Mensch: öffnet Kühlschranktür.
Joghurt: “BANZAIIIII!” wirft sich mit Vehemenz gegen Kühlschranktür und landet unsanft auf dem Küchenboden.
Mensch: “Scheissdreck. Jetzt muss ich den doch essen.”
Münchner Preise und Lebensart
Mai 14, 2002 um 3:34 pm | In Pitu | Kommentare deaktiviert |Irgendwas mache ich wohl falsch. Da mailt mir jemand, der eine Wohnung in Bogenhausen sucht (und mich wegen Wohnungstausch gefragt hatte) auf meinen Hinweis, dass es nicht einfach sei, in München was Bezahlbares (darunter verstehe ich maximal DM 1.300 warm für eine Einzelperson, alles inklusive) zu finden, er sei ja schließlich kein Student mehr und zahle in Frankfurt derzeit 1.950 (ich vermute mal DM) Miete und suche in München was bis 2.300 (wieder vermute ich DM). Da braucht man sich dann nicht mehr zu wundern, wenn die Mietpreise ins Unermeßliche steigen.
Entschuldigung, vielleicht bin ich ja ketzerisch oder auch einfach nur naiv, aber verdienen neuerdings alle Nicht-Studenten so um die 2.000 – 2.500 Euro netto im Monat, oder ist das doch nach wie vor ein eher kleiner Teil? Ansonsten müßte ich nämlich doch langsam zu Plan B übergehen und mir einen netten greisen Millionär suchen, denn mit normaler Berufstätigkeit werde ich so ein Level wohl nicht erreichen, ohne mich im Mix aus Haupt- und Nebenjob halbtot zu arbeiten. Und ich dachte immer, da wäre auch noch was namens Leben. Auch wenn es Leute gibt, die sich solch horrende Mieten achselzuckend leisten können, finde ich die Preise pervers und würde mich schon aus Prinzip weigern, so viel zu bezahlen, selbst wenn ich es mir leisten könnte.
Gewohnheit
Mai 7, 2002 um 1:37 am | In Pitu | Kommentare deaktiviert |Wenn man mal für ein paar Stunden oder Tage aus dem alltäglichen Lauf der Dinge und der vertrauten Umgebung herausgerissen wird, merkt man wieder, wie sehr man doch von Gewohnheiten bestimmt wird. Handeln, ohne nachzudenken, automatisch, fest verdrahtet, oft geprobte Folge von immer gleicher Ursache und Wirkung.
Ich bin gerade dabei, all das aufzubrechen, durch neue Gewohnheiten zu ersetzen – wenn Gewohnheiten im Moment überhaupt eine Chance haben, so schnell, wie sich die Dinge ändern. Die Frage ist nur, ob mit der Veränderung der Umstände und Gewohnheiten auch ein neuer Mensch herauskommt. Wenn wir die Summe von Erfahrungen, Reaktion und Interaktion sind – möglich.
Gewohnheiten sind wie ein erprobtes Halteseil, an dem entlang man sich über schmale Hängebrücken hangelt – aber manchmal ist es notwendig, auf das Seil zu verzichten und unsichere Pfade einzuschlagen, vielleicht selbst Seile zu knüpfen, an denen sich andere dann festhalten können…
Wenn schon ein paar hundert Kilometer so viel umdrehen und umwälzen können, wie geht es erst Menschen, die den Mut haben, ohne Kontakte in ein fremdes Land zu gehen, dessen Sprache sie vielleicht nicht einmal beherrschen? Menschen, die sich für ein Jahr auf Weltreise begeben, nur mit einem Rucksack als Gepäck und dem festen Willen, fast jede Arbeit anzunehmen, um dieses Jahr zu überleben? Und wie fühlt man sich, wenn man von der großen Welt da draußen wieder in die ganz kleine zuhause zurückkehrt?
Manchmal sind die Haltestricke auch mehr Fesseln als Stütze.
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