Flotte Oma
März 31, 2002 um 4:19 pm | In Limette | Kommentare deaktiviert |Schon interessant, was man beim österlichen Familiengeplauder so erfährt. Zum Beispiel, daß die grundsolide Großmutter (Lehrerin, verheiratet) Anfang der 50er Jahre zusammen mit einer Freundin (ihres Zeichens hochkarätiges Revuegirl) einen schönen Tag in München in Gesellschaft einiger sehr netter und kultivierter Holländer verbracht hatte.
Wie sie dazu kam, weiß ich nicht mehr, auf alle Fälle gingen sie schön Kaffee trinken, essen, tanzen (damals war das Parkcafé noch ein klassisches Nachmittags-Tanzcafé mit Live-Musik) – und fuhren mit dem Auto durch die Stadt, aber nicht IM Auto, sondern auf der Motorhaube. “Das ging ja damals noch, war ja noch nicht so schlimm mit dem Verkehr.” Eine Fortsetzung des Abends im Sinne der holländischen Gastgeber gab es dann allerdings nicht, da die beiden Damen sich zum Bahnhof bringen ließen und dort trickreich davonschummelten.
“Wie alt war die Oma da denn?” wollte ich noch wissen. “Ach, so 48.” Aber hallo.
Solidarität unter Freundinnen
März 22, 2002 um 2:43 am | In Limette | Kommentare deaktiviert |Oliver Geissen Show, Nachtwiederholung (ja, manchmal guck ich sowas, wenn ich mich sowieso gerade hirntot fühle…). Zwei Girlies haben ihre Freundin mitgeschleift, weil die sich immer so brav anziehe und nicht schminke, wenn’s in die Disco geht. Die Girlies beweisen Mut, vor allem, weil sie alles andere als perfekte Figuren haben, die sie aber gnadenlos in wurstpellenartige Kleider und Hosen quetschen. Die eher schüchterne Freundin, die sich für zu dick hält, um sowas zu tragen, ist ca. 10 Kilo schlanker. Etwas später kommt sie umgestylt zurück, fühlt sich aber nicht wohl: “Ich fühl mich wie eine Schlampe!”
Immerhin, mit der Schminke hat sie plötzlich Augen wie Sigourney Weaver, und der Rock zeigt, daß das Mädel richtig hübsche Beine hat. Zur Publikums-Zielscheibe werden dann eher die selbstbewußten beiden Girlies, denen, wenn auch freundlich, eine Stilberatung empfohlen wird, und als dann noch ein 16-jähriger sich zu Wort meldet, fürchtet die nolens volens umgestylte, sehr zurückhaltende Freundin wohl einen weiteren Angriff und zischelt fast unhörbar, aber doch immer noch laut genug: “Sag jetzt bloß nix Falsches, sonst geb ich dir ‘n paar aufs Maul!”
Ich warte darauf, wann wir das bei Stefan Raab als Ausschnitt präsentiert bekommen.
Der Junge sagte dann übrigens nichts Falsches – hatte er es vielleicht doch gehört?
One for my baby, and one more for the road
März 15, 2002 um 2:37 am | In Pitu | Kommentare deaktiviert |Abends mit den Mädels aus der Bank “After Work Clubbing” im “Parkcafé” – okay, jetzt habe ich es gesehen, nochmal brauche ich es nicht. Dafür war ich wohl immer schon zu “alt”. Beim Italiener um die Ecke war es kuscheliger, und man konnte sich unterhalten, es gab guten Salat Portofino mit Avocados, Krabben und Rucola, und einen Latte Macchiato zum Abschluß.
Nach Hause über den Mittleren Ring, muß an Engelberts “Zimmer mit Aussicht” von letzter Woche denken, als ich das BMW-Hochhaus passiere, im CD Player singt Robbie Williams “One for my baby, and one more for the road.” Das letztemal, als ich das Lied im Auto spielte, paßte es besser – auf einer total verschneiten Autobahn, die Flocken wirbelten nur so gegen das Fenster, und wegen des Schnees ging nur gemächliches Rollen, wie ein Boot glitt das Auto über die Straße, sehr friedlich, und passend dazu die Musik. Sehr entspannt, und sehr abgekoppelt von allem anderen – ich frage mich immer mehr, was eigentlich real ist, und was normal. Frage mich, ob es normal ist, daß ich diese stillen Momente, in denen ich häufig allein bin, als lebendiger empfinde als manches laute Miteinander – und merke, daß ich immer weniger bereit bin, mich um des lieben Friedens willen zu verbiegen. Wenn ich es jemals getan habe – wenn sich etwas verbogen hat, war es die äußere Hülle, der Mensch innendrin zog sich einfach zurück. “Flüchten oder standhalten”, ich sollte das Buch von Horst Eberhard Richter jetzt doch endlich mal lesen.
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